Mehr Pommes statt “neues Jahr, neues Ich”

Gesünder essen, schlanker werden, produktiver Arbeiten – die sozialen Netzwerke sind seit Weihnachten voll mit Achtsamkeitskalendern, Habit Trackern und Lebensplanern. Alle wollen sich verändern, sind sich selbst nicht gut genug, nicht fit, organisiert und happy genug.

Reicht nicht die Vorfreude auf ein Jahr voller Abenteuer mit matschigen Stiefeln, Pommes und Fehlern, aus denen wichtige Erfahrungen werden? Muss es ständige Selbstoptimierung sein? Genau so, wie wir sind, sind wir doch okay. Und auf okay dürfen wir uns gerne mal ausruhen.

Neues Jahr, neues Ich? Nein danke.

Auch 2018 frönen wir dem Selbstoptimierungswahn und wollen schöner und produktiver werden. Zu unseren Arbeitsaufgaben kommen noch To-do-Listen für die Freizeit hinzu. Damit das neue Jahr erfolgreicher wird als das vergangene. Wir müssen immer überall besser werden, erreichen dabei das Gegenteil: Unzufriedenheit, Anspannung, Stress. Wir lassen uns selten Raum fürs Faulenzen und Genießen, geschweige denn fürs Hinterfragen:

  • Wir feiern grüne Smoothies und ihre lebensverändernde Wirkung. Genießen wir sie auch? Warum kippen wir etwas in uns hinein, was uns eigentlich gar nicht schmeckt? (Wenn Dir grüne Smoothies schmecken, dann gönn Dir!)
  • Mit Capsule Wardrobes befreien wir uns von vermeintlich belastendem Zeug. Wir sollen uns danach leichter fühlen. Mehr Zeit für andere Dinge haben. Aber was ist, wenn wir all unsere neun Strickpullover gerne tragen? Und die 37 Socken mit Harry Potter Motiv? Nicht jeder ist für das große Ausmisten gemacht. Sammler/in zu sein ist auch ok.
  • “Deine Morgenroutine – So startest Du optimal in den Tag.” Moment mal. Wie kann ein Artikel wissen, was mir morgens gut tut? Wie wir gerne in den Tag starten, weiß unser Bauchgefühl am besten. Was hilft der Acht-Punkte-Plan, wenn wir zu gerädert sind, um gegen 5:30 Uhr heiße Zitrone zuzubereiten? Und stattdessen lieber eine Runde/Stunde mit dem Partner kuscheln? Oder Kakao trinken? Das Abarbeiten einer festgelegten Morgenroutine macht uns nicht zwingend zufriedener. Wenn sie nicht zu uns passt, sorgt sie eher für ein schlechtes Gewissen.

Nicht immer nur tun. Auch mal ruhn.

Das heißt natürlich nicht, dass wir uns mit allem abfinden sollten. Es gibt sicher Dinge, an denen jeder von uns arbeiten könnte; Bereiche, in denen wir uns weiterentwickeln könnten. Es geht um das Maß. Mehr und besser geht immer. Aber wir müssen uns fragen, wann mit dem Hamsterrad Schluss ist: Wir geben den Rahmen vor. Weiterentwicklung sollte gut tun, zu uns passen. Ziele? Herausforderungen? Ja gern! Überforderung? Nein danke.

Deshalb lauten meine “Vorsätze” für 2018: Zufrieden sein, mit dem was ich habe. Öfter Pommes essen. Und rumliegen. Definitiv mehr rumliegen.

 

Photo 1 von Christopher Flowers on Unsplash

Photo 2 von Toa Heftiba on Unsplash

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Das ist mit Abstand der beste Blogpost seit langer Zeit!Du sprichst mir dermaßen aus der Seele! Ich kann gar nicht glauben, wie mittlerweile sogar so etwas Schönes, Befreiendes, Beglückendes wie zB. das Hobby Nähen durchgetacktet, geplant, organisiert und optimiert wird. Und es gibt do viele Beispiele mehr….! Danke für deinen Post. Wir sollten vielleicht mal zusammen Pommes essen!:) liebe Grüße! Britta

  • Haha, sehr schön! Diesen Optimierungskram stelle ich mir auch sehr anstrengend vor, und es kann sein wie zwei Wochen Urlaub, wenn man einfach mal quasi unverhofft sagt, nö, nix mit fleißig und zackzack heute, sondern rumschluffen.
    Ach, ich mach das jetzt einfach mal, so. Wetter ist heute nämlich schön, und ich hab schon die ganze Zeit Lust, mit dem Hund in den Wald zu gehen, hab aber eigentlich Arbeit auf dem Schreibtisch. Schaff ich aber auch noch wann anders, jetzt Wald. Vielleicht regnet es ja am Wochenende, dann kann ich einfach da arbeiten, aber in den Wald will das Hundetier bei Regen sicher nicht.

    Liebe Grüße!
    Maike