Nachrichtenmüdigkeit: mehr Wahl statt Qual // Teil 2

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Nachrichten – Wissensvermittler und Impulsgeber

Was geschieht, wenn Medien über das Rana-Plaza-Unglück berichten? Sie generieren Aufmerksamkeit. Wir erhalten Informationen über die Zustände in Textilfabriken und damit einen Impuls, Dinge zu hinterfragen. Im Ergebnis führt die Information vielleicht zu einer Änderung unseres Konsumverhaltens. In jedem Fall wissen wir jetzt mehr über die Menschen, die in Textilfabriken unsere Kleidung produzieren.

Das ganze Leben besteht aus der Sammlung von Wissen: Wenn wir über den berühmten Tellerrand schauen, uns mit Unbekanntem auseinandersetzen, kommen wir vorwärts. Und Nachrichtenkonsum hilft uns dabei.

Es ist mühsam, unsere Zeit auf der Welt positiv zu nutzen, wenn wir nicht wissen, wo wir ansetzen können. Wenn wir Hintergründe und Konsequenzen von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Ereignissen ausblenden, fällt es uns schwerer, diese Nachrichten zu verstehen. Ihre Dimensionen zu begreifen. Und wir verpassen auch die positiven Nachrichten. Etwa den Einsatz von Freiwilligen, Umweltschützern und Soldaten, die an einem Strand in der Dominikanischen Republik tonnenweise Müll einsammeln.

Too much information: Informationsflut selbst steuern

Die Nachrichtenflut ist kein Automatismus, dem wir hilflos ausgeliefert sind. Wir können zwar Ereignisse und Nachrichten nicht beeinflussen. Aber wir können unseren Konsum steuern und somit die Belastung. Problematisch sind nicht die Nachrichten selbst, sondern die Art des Konsums, die Weise wie Inhalte vermittelt werden: ständige Pushnachrichten, endloses Scrollen, unkonstruktive Kommentarspalten, überspitzte Headlines. Wir kennen endlos viele Möglichkeiten, Informationen wie einen Schwamm aufzusaugen.

Grenzen setzen? Ja. Ignorieren? Nein.

Wenn wir uns Nachrichten verschließen, ignorieren wir sowohl negative als auch positive Ereignisse. Wir entwickeln uns zu wandelnden Fragezeichen.

Ich möchte klarstellen: Wir müssen gar nichts. Wir müssen nicht über alles informiert sein. Wir müssen nicht jede Nachricht lesen. Wir brauchen keine tägliche Injektion schlechter Nachrichten. Wir müssen uns nicht dem blitzschnellen Nachrichtenstrom der sozialen Netzwerke aussetzen. Wir können individuell entscheiden, wie wir mit der Nachrichtenflut umgehen.

Ich persönlich halte ein Grundlevel an Nachrichtenkonsum für wichtig, um informiert und wachsam zu bleiben.

Strategisch Nachrichten lesen

Wir können Wege suchen, wie bewusste Information zu unserem Alltag passt: Was interessiert mich? Wie informiere ich mich gern? Was belastet mich eher?

Wir können Quellen auswählen, die zu unseren Vorlieben passen, von Radio und TV über die Tageszeitung bis zu Newslettern.

Ich lese vor dem Frühstück keine Nachrichten, meist öffne ich News-Seiten erst ab 11 Uhr. Ich halte mich von Medien mit reißerischen Headlines und dramatischem Tonfall fern. Und von Kommentarbereichen sowieso. Die sind eine Qual für mich. So viel Yoga kann ich gar nicht machen, um die ganze Kommentarwut wegzuatmen …

Weitere Tipps gegen Informationsüberflutung:

  • (Es wurde schon oft gesagt, aber:) Pushnachrichten ausschalten
  • Konsum auf bestimmte Uhrzeiten legen
  • einen zeitlichen Rahmen bestimmen
  • bewusst Quellen auswählen, anstatt ziellos zu surfen
  • Artikel bis zum Ende lesen, anstatt alles zu scannen (Grüße an die Aufmerksamkeitsspanne).

Wir können uns frei entscheiden, wie wir Informationen aufnehmen. Doch Nachrichten vollständig zu ignorieren, bringt uns unseren Mitmenschen und der Welt außerhalb unserer Blase nicht näher.

Wie steht ihr zu dem Thema? Empfindet ihr Nachrichtenmüdigkeit? Wie konsumiert ihr Nachrichten? Schreibt mir gerne. Ich freue mich auf den Austausch.

Teil 1 zur Nachrichtenmüdigkeit findet ihr hier: “Jetzt ist nicht die Zeit für Realitätsflucht.”

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